In meiner Praxis begegne ich dieser Frage recht regelmäßig. Frauen, die mit Brustkrebs kämpfen, haben manchmal Angst, Reishi einzunehmen. Der Grund? Die Angst, dass der Pilz wie Östrogen wirkt und den Tumor „füttert“, oder die Sorge, dass er die Wirkung von Tamoxifen blockiert. Ich habe 15 Jahre Erfahrung damit, dass diese Kombination funktioniert und sicher ist. Lassen Sie uns nun einen Blick darauf werfen, was die aktuelle Wissenschaft dazu sagt.
Brustkrebs ist eine komplexe Erkrankung und die Angst, der Behandlung zu schaden, ist absolut natürlich. In Internetforen kursiert oft eine vereinfachte Gleichung: Reishi = Phytoöstrogen = Risiko für hormonabhängige Tumoren.
Die Realität ist jedoch viel komplexer und die Daten zeigen, dass diese Gleichung nicht zutrifft.
Dies ist das häufigste Missverständnis. Die Annahme, dass jeder natürliche Stoff, der Hormone modulieren kann, genauso wirkt wie menschliches Östrogen, ist falsch.
Studien an Zellen von hormonabhängigem Brustkrebs (sog. MCF-7-Linien, die Östrogenrezeptoren besitzen) haben das genaue Gegenteil gezeigt. Reishi hat in diesen Tests nicht als Wachstumsstimulator gewirkt. Im Gegenteil. Der Extrakt aus Reishi konnte die Proliferation (Teilung) dieser Zellen verringern und wirkte dem Wachstum entgegen, das durch Östrogen gesteuert wird.
Fachübersichten (z. B. International Journal of Molecular Sciences) bewerten Reishi bei hormonabhängigen Brusttumoren sogar als „stark empfohlen“ (+++). Der Grund dafür ist, dass die Hauptwirkstoffe – Polysaccharide und Triterpene – keine Hormonkaskade auslösen, sondern die Invasivität des Tumors dämpfen und die Bildung neuer Gefäße, die den Tumor versorgen, einschränken.
Urteil: Reishi „füttert“ den Tumor nicht. Ihr Wirkmechanismus ist ein anderer und zielt auf die Unterdrückung des Tumorwachstums ab, nicht auf dessen Förderung.
Tamoxifen ist ein Medikament, das Östrogenrezeptoren blockiert. Die Sorge der Patientinnen rührt daher, dass Reishi die Leberenzyme (Cytochrome), die dieses Medikament verarbeiten, beeinflussen und somit dessen Wirksamkeit verringern könnte.
Forschungen, die sich direkt auf die Wechselwirkung zwischen Reishi und Tamoxifen konzentrierten, lieferten jedoch überraschende Ergebnisse. Unter Laborbedingungen (in vitro) verstärkte der Ätherextrakt aus Reishi den antiproliferativen Effekt von Tamoxifen. Mit anderen Worten: Die Kombination aus Pilz und Medikament hemmte die Vermehrung von Tumorzellen effektiver als das Medikament allein.
Während bei einigen anderen Substanzen (z. B. Grapefruit) die Beeinflussung des Medikamentenstoffwechsels ein nachgewiesenes Risiko darstellt, gibt es für Reishi keine Belege dafür, dass es den Wirkstoffspiegel von Tamoxifen im Blut senkt.
Urteil: Die aktuelle Wissenschaft bietet keinen Beweis dafür, dass Reishi die Wirkung von Tamoxifen behindert. Im Gegenteil, es gibt Hinweise auf einen synergistischen (unterstützenden) Effekt.
Bei Frauen mit einer BRCA1- oder BRCA2-Mutation besteht das Problem darin, dass ihre Zellen beschädigte DNA nicht korrekt reparieren können. Dies machen sich bestimmte Arten der Chemotherapie (z. B. Platin-Derivate) zunutze, die die Tumor-DNA so stark schädigen, dass die Zelle abstirbt.
Hier spielt Reishi eine wichtige Rolle als "Helfer":
Erhöhung der Behandlungsempfindlichkeit: Studien zeigen, dass Reishi die Empfindlichkeit von Tumorzellen gegenüber Platin-Zytostatika (Carboplatin), die bei BRCA-Tumoren häufig eingesetzt werden, erhöhen kann.
Immunsystem: BRCA-Tumoren sind oft aggressiv. Reishi stimuliert nachweislich zytotoxische T-Lymphozyten (CD8+), also Zellen des Immunsystems, deren Aufgabe es ist, Tumorzellen aufzuspüren und zu zerstören.
Psyche und Müdigkeit: Die Behandlung ist anstrengend. Klinische Daten bestätigen, dass Patienten, die Reishi (oft in Form von Sporenpulver) einnehmen, von deutlich weniger Müdigkeit (ein Rückgang um mehr als 50 %), weniger Depressionen und einer besseren Lebensqualität berichten.
Nach 15 Jahren Erfahrung und auf Basis der verfügbaren Studien wage ich zu behaupten, dass die Bedenken unbegründet sind. Wenn Reishi von hoher Qualität ist (z. B. Reishi PRO) und auf die richtige Weise eingenommen wird (idealerweise in Kombination mit Coriolus PRO und Maitake PRO, beziehungsweise Curcumin und Acerola, die sich in ihrer Wirkung ergänzen), wird es für Patientinnen mit Brustkrebs (einschließlich BRCA+ und solchen, die Tamoxifen einnehmen) zu einem starken Verbündeten, nicht zu einem Feind.