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Sauer vs. basisch – Mythos oder Realität?

In den letzten Jahren ist der Begriff „übersäuerter Organismus“ zu einem der häufigsten Themen in Ernährungsdiskussionen geworden. Das Internet ist voll von Ratschlägen, wie man den Körper „entsäuert“, welche Lebensmittel „entsäuernd“ und welche „säuernd“ wirken. Viele Menschen leben in der Überzeugung, dass Müdigkeit, Gelenkschmerzen oder Sodbrennen mit einer allgemeinen Übersäuerung des Organismus zusammenhängen.

Die Realität sieht jedoch anders aus.

Was Lebensmittel wirklich beeinflussen

Bei der Metabolisierung von Lebensmitteln entsteht sogenannte Stoffwechselasche, die entweder säurebildend oder basenbildend ist. Der entscheidende Faktor ist der Mineralstoffgehalt – säurebildend wirken vor allem Phosphor und Schwefel, basenbildend hingegen Kalzium, Magnesium, Kalium.

Allgemein lässt sich sagen:

  • säurebildend → tierische Lebensmittel, Getreide, die meisten Käsesorten
  • basenbildend → Obst, Gemüse, Kartoffeln, Kräuter
  • eher neutral → Fette, Öle, Stärken
  • stark säurebildend → raffinierter Zucker und hochgradig industriell verarbeitete Lebensmittel

Es ist jedoch wichtig, eine wesentliche Sache zu verstehen:

Der Geschmack hat nichts mit der Wirkung zu tun.

Zitrone schmeckt sauer, wirkt aber im Körper basenbildend. Fleisch schmeckt nicht sauer, ist aber metabolisch säurebildend.

Beeinflussen Lebensmittel den pH-Wert unseres Körpers?

Kurze Antwort: nein.

Lebensmittel können nur den pH-Wert des Urins beeinflussen, nicht jedoch den pH-Wert des Blutes oder des inneren Milieus. Der Organismus hält den pH-Wert des Blutes in einem extrem engen Bereich von 7,35–7,45, was eine Voraussetzung für das Überleben ist.

Sollte der pH-Wert signifikant abweichen, würde es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand handeln, typischerweise eine Azidose oder Alkalose, die eine sofortige medizinische Versorgung erfordert.

Die Stabilität des pH-Werts wird gewährleistet durch:

  • Puffersysteme
  • Lunge
  • Nieren

Das ist der Grund, warum die Idee der „Entsäuerung des Organismus durch Diät“ keine biologische Grundlage hat.

Warum sagen also so viele Menschen, dass ihr Körper übersäuert ist?

Es kommt häufig zu einer Verwechslung von Begriffen.

Mit „Übersäuerung des Organismus“ bezeichnen Menschen völlig andere Beschwerden – am häufigsten Sodbrennen, Reflux oder ein Gefühl von Schwere und Hitze im Magenbereich.

Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin ist Sodbrennen meist ein Bild von Hitze im Magen.

Also keine Übersäuerung des Organismus, sondern:

  • ein Überschuss an Hitze
  • Stagnation von Nahrung
  • Schwächung der Milz und der Magenenergie
  • übermäßiger Stress

In einem solchen Fall ist es notwendig:

  • den Magen abzukühlen und zu beruhigen
  • auf heiße, scharfe, brennende Lebensmittel zu verzichten
  • Alkohol, Kaffee und frittierte Speisen einzuschränken
  • die Essgewohnheiten zu verbessern (warmes Frühstück, langsames Essen, kleinere Portionen)

Was ist also das Fazit?

  • Die Übersäuerung des Organismus ist ein populärer Mythos.
  • Lebensmittel verändern nicht den pH-Wert des Blutes, sondern nur den pH-Wert des Urins.
  • Die Homöostase des Organismus kontrolliert die pH-Funktion streng.
  • Echte Beschwerden, die als „Übersäuerung“ bezeichnet werden, sind meistens:

- Reflux
- Hitze im Magen
- Stress und ungeeignete Ernährung
- Mangel an Erholung

Wie man aus diesem Chaos herauskommt – praktische Empfehlungen

  • Lassen Sie uns weniger industriell verarbeitete Lebensmittel und raffinierten Zucker essen.
  • Bevorzugen wir Obst, Gemüse, hochwertige Proteine und warme Speisen.
  • Suchen wir Gesundheit nicht in extremen Diäten und der Angst vor dem Essen.
  • Folgen wir dem Prinzip der Ausgewogenheit (Weg der Mitte).

Zusammenfassung

Die Säure- und Basenbildung von Lebensmitteln ist ein nützliches Konzept zur Orientierung in der Ernährung, aber kein Maßstab für die Gesundheit des Organismus.

Über die Gesundheit entscheidet der gesamte Lebensstil – Ernährung, Schlaf, Bewegung, Psyche und Beziehungen – nicht der pH-Wert einer Zitrone oder von Spinat.

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